Einmal Leben in Thailand, bitte!

… Eine Bestellung, die viele Thailand-Urlauber gerne aufgeben würden, wenn sie sich in dieses Paradies auf Erholungsreise begeben. Einige wagen den Versuch und versuchen sich ein neues Leben in Thailand aufzubauen.

In meinem Fall, lief es ein bisschen anders, bis auf, dass die Sportart Thaiboxen aus Thailand kommt, wusste ich nicht viel über das Land und seine Sitten. 2014 nahm ich ein Jobangebot an, um Auswandern zu können, damals war es mir ziemlich egal wohin, Hauptsache ein anderer Kontinent. Ich kam und ich blieb, fast drei Jahre. Die 15 Monate danach, daheim in Österreich, zeigten mir fast tagtäglich, dass ich 2014 den richtigen Entschluss gefasst hatte und ließen mich einen neuen Plan schmieden, um weiter Jagd auf meine Ziele zu machen.

Hier komme ich zum Punkt, worum es in diesem Beitrag geht: Thailand ist nicht einfach ein Land, in welches man einreisen und bleiben kann! Bevor die Tore geöffnet werden, gibt es einiges zu beachten und daher rate ich allen, sich vorab genau zu informieren. Überlegt im Vorhinein: Warum fliege ich nach Thailand (Beruf, Ausbildung, Urlaub, …)? Wie lange möchte ich in Thailand bleiben? Welche Einreisebestimmungen gelten für mein Herkunftsland?

Urlaub machen in nach Thailand

Für Österreicher, Schweizer und Deutsche, die einfach nur ein bisschen Urlaub machen wollen, gestaltet sich die Ein- und Ausreise sehr unproblematisch. Am Flughafen bekommt man einen „30-Day-Stamp“ (seit 2022: 45 Days) in den Reisepass, wo auch das Datum mit angegeben ist, bis wann man ausreisen muss. 45 Tage sollten für einen einfachen Urlaubsaufenthalt reichen. Diese Aufenthaltsberechtigung ist nicht zu verwechseln mit dem „Visa on Arrival“. Ein „Visa on Arrival“ müssen sich bestimmte Personengruppen, aus bestimmten Ländern besorgen wie zum Beispiel Indien. Wichtig ist immer das Ausfüllen der „Arrival-Card“ (entfällt seit 2022), welche man im Flugzeug (Bus, etc.) bekommt und dass man immer eine Adresse in Thailand angibt, wo man wohnt (zB das Hotel). ACHTUNG für ÖSTERREICHER die über den LANDWEG einreisen: Anders als unsere deutschen Nachbarn, erhalten wir nur 15 Tage Aufenthalt bei Einreise über den Landweg. Außer man besorgt sich vorab im Thailändischen Konsulat (außerhalb Thailands) ein Touristen-Visum.

Touristen-Visum

Weiß man bereits vorher, dass man länger als 45 Tage im Land des Lächelns bleiben möchte, empfiehlt es sich im Vorhinein, dass Touristen-Visum zu beantragen. Das erhält man im thailändischen Konsulat im Heimatland. In Salzburg befindet sich dieses in der Nähe des LKHs bzw. Müllner Bräu. Es gibt in diesem Fall zwei verschiedene Möglichkeiten:

  • Das Single-Entry-Tourist-Visa

Dies berechtigt zu einer einmaligen Einreise und ist 60 Tage gültig, man kann es in Thailand, über ein Immigration-Büro vor Ort, um weitere 30 Tage verlängern und hat somit insgesamt 90 Tage Aufenthaltsberechtigung. Die Kosten belaufen sich derzeit auf etwa € 30,00 (Stand 2019). Reist man in der Zeit aus Thailand aus und wieder ein, verliert das Visum seine Gültigkeit.

  • Das Multiple-Entry-Tourist-Visa

Wieder mit einer Gültigkeitsdauer von 60 Tagen, wie beim Single-Entry, mit dem Unterschied, dass man mehrmals aus- und einreisen kann. Auch dieses Visum kann nach Ablauf der 60 Tage in Thailand verlängert werden, um weitere 30 Tage. Die Kosten belaufen sich auf ca. € 150,00 (Stand 2019) und man muss in bestimmten Fällen einen gewissen Geldbetrag nachweisen können. Dieser kann variieren, am besten wieder im Konsulat, im Heimatland, nachfragen. Für die Thais dient der Geldbetrag, als Sicherheit, dass man nicht vor hat im Land zu arbeiten. Insgesamt ist man berechtigt, in einem Zeitraum von 180 Tagen, zweimal dieses Visum zu nutzen.

Non-Immigrant-Visa

Das Non-Immigrant-Visum berechtigt zu einem Aufenthalt von 12 Monaten, ohne das Land verlassen zu müssen. Es bleibt nur der 90-Day-Report: Alle 90 Tage muss man sich im jeweiligen Immigration-Büro melden, um den Aufenthalt um weitere 90 Tage zu verlängern. Es gibt verschiedene Arten des Non-Immigrant-Visums. Je nach Zweck des Aufenthalts. Dies kann entweder das „B“-Visum sein, für geschäftliche und berufliche Zwecke (Hier unterscheidet man noch, ob man Arbeiter ist, oder ein Business in Thailand gründen möchte). Das „ED“-Visa, wenn man in Thailand eine Schule besuchen möchte, das „O“-Visa für Rentner. Man muss je nach Art, diverse Anforderungen erfüllen, um das entsprechende Visum erhalten zu können. Möchte man in Thailand arbeiten, braucht man einen Arbeitgeber, dieser ist auch dafür zuständig, dass man alle nötigen Dokumente für das Konsulat und den Visaantrag erhält. Auch das Non-Immigrant-Visa muss außerhalb von Thailand beantragt werden. Entweder im Heimatland, oder in einem anderen Land, mit thailändischem Konsulat für Visaanträge. Die Gebühren für das Non-Immigrant-Visa sind direkt beim Konsulat zu entrichten und belaufen sich zwischen € 60,00 (Single-Entry) und € 150,00 (Multiply-Entry).

Thailand ist ein Land, welches die Einreisebestimmungen für Touristen fast jährlich, oder auch mehrmals pro Jahr, ändert. Daher empfiehlt es sich stets vor Einreise das Konsulat zu kontaktieren, um den aktuellen Stand zu erfahren. Auch das Internet kann ein erfolgreicher Ratgeber sein, solange man auf die Aktualität der Beiträge achtet.

Hier noch eine allgemeine Auflistung mit den nötigen Dokumenten für einen Antrag:

  • Reisepass, der noch mindestens 6 Monate gültig ist
  • Zwei Passfotos (weißer Hintergrund)
  • Ausgefüllte „Application-Form“ (Visa-Antrag) – auch hier Adresse in Thailand angeben
  • Kopie der ersten Seite des Reisepasses und Unterschrift
  • Visagebühren

Thailand schützt seinen Arbeitsmarkt vor Ausländern und Einwanderern, egal welcher Nation. Ausländern ist es gestattet Arbeiten nachzugehen, welche von einem Thai nicht erfüllt werden können. Zum Beispiel, wenn eine Firma jemanden benötigt dessen Muttersprache Deutsch ist, wobei Native-English-Speakers immer mehr gebraucht werden. Auch in größeren, bei Touristen beliebten Hotels hat man Chancen. Handwerkliche Berufe sind tabu für Ausländer. Wer ohne Arbeitserlaubnis versucht Geld zu verdienen und erwischt wird, muss mit einer Geldstrafe über € 2.000,00 rechnen und einem Einreiseverbot. Es kam auch schon vor, dass illegal Beschäftigte inhaftiert wurden, bis zur vollständigen Bezahlung des Geldbetrages.

Persönliche Erfahrungen habe ich mit dem B-Visum und dem ED-Visum. Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Thai Consular Section, Vientiane
30/03/2018 – Royal Thai Consular Section, Vientiane

Muay Thai – Was ist das?

Erklärung – Geschichte & Entwicklung der Kampfsportart

Ich werde oft gefragt: „Na, wie läuft es mit dem Kickboxen so?“, oder „Trainierst du noch Kickboxen“? – Meistens versuche ich dann zu erklären, dass ich Thaiboxen und nicht Kickboxen trainiere. Es sind zwei verschiedene Kampfsportarten, die sich etwas ähnlich sind. Allerdings unterscheiden sie sich durch das jeweilige Regelwerk und den angewandten Techniken. Es ist ungefähr so, als würde man den Fußballclub FC Bayern München unter American Football einordnen. Als Laie ist es oft schwer nachzuvollziehen, was denn Thaiboxen so anders macht und warum es nicht Kickboxen ist. Dieser Beitrag soll etwas Licht ins Dunkle bringen und das Thaiboxen (thail.: Muay Thai) näher erklären.

Muay Thai – Einfach übersetzt …

„Muay“ ist das thailändische Wort für „Boxen“ und Thai steht für einfach für Thailand – (wobei das Wort „thai“ im Deutschen „frei“ bedeutet). Übersetzt heißt es nichts anderes als Thaiboxen, welche eine eigene Kampfsportdisziplin darstellt und der Nationalsport Thailands schlechthin ist. Muay Thai wird oft auch als „The Art of the 8 Limbs“ (übersetzt: Die Kunst der acht Gliedmaßen) bezeichnet. Die acht Gliedmaßen beziehen sich auf die Körperteile, welche im Kampf zum Einsatz kommen und entweder als „Waffe“, oder als Verteidigungsmittel gegnerischer Angriffe dienen. Zum Einsatz kommen, die beiden Fäuste (wie im Boxen), die beiden Ellbogen, die beiden Knie und die Schienbeine.

Ein bisschen Geschichte …

Die heutige Kampfsportart wurde als waffenlose Kriegskunst entwickelt. Und sollte dazu dienen, auch noch kämpfen zu können, wenn man von feindlichen Angreifern entwaffnet wird. Die genaue Entstehung ist jedoch schwer nachzuvollziehen, da viele Aufzeichnungen und Dokumente in den Kriegen verloren gegangen sind. Besonders in der Kriegszeit mit den Burmesen, die damalige Hauptstadt von Siam (heutiges Thailand) war Ayutthaya. Viele Gebäude und Bibliotheken brannten in der Kriegszeit ab, dort wurden die Dokumente aufbewahrt. Dennoch lassen sich Aufzeichnungen bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Demnach haben thailändische Soldaten die Kriegskunst entwickelt, als Erweiterung des „Muay Boran“ (Kampfkunst mit Waffen) und Krabi Krabong (Kampfkunst mit Schwertern und Säbeln) (Brandt: 2005, o.S.).

Thailand war und ist bis heute ein Königreich. Die königlichen Hoheiten sind tief mit dem Nationalsport verbunden, daher wird Muay Thai auch als „Sport der Könige“ bezeichnet. Die Geschichte des Sports wird in der Regel in die Ära des jeweiligen Königs eingeteilt. Hier ein paar Eckpunkte dazu:

  • 1584 King Naresun: Dieser ließ unter anderem nationale Unstimmigkeiten durch das Austragen von Thaiboxkämpfen entscheiden
  • Ab 1656 King Narai: Er führte die Tradition des Mongkong und Pa-Pra-Jiat (Armbänder, die um den Biceps getragen werden) ein.
  • 1703: Prachao Sua – „The Tiger King“: Er mischte sich incognito unters Volk, um kämpfen zu können
  • 1925 King Rama VI: Es wurde der Ring mit Seilen und eine Uhr als Zeitmessung eingeführt.

Eine Uhr als Zeitmessgerät? Wie wurden denn die Runden davor gestoppt? – auf kreative Art und Weise: Eine Kokosnussschale wurde ins Wasser gegeben, wenn diese gesunken war, war die Zeit um.

Heute sieht man die Kämpfer in Boxhandschuhen den Ring besteigen. Jedoch war das nicht immer so. Bis ca. 1930 trugen die Kämpfer Hanfbandagen um die Faust, welche teilweise auch in Kleber getunkt wurden, damit die Glassplitter halten, um mehr Schaden anrichten zu können. Tiefschützer gab es auch damals schon, diese bestanden aus einer Kokosnussschale und einer zusätzlichen Polsterung. 1930 feierte der Sport eine wichtige Entwicklung: Die zum Teil heute gültigen Regeln und Bestimmungen wurden eingeführt, sowie das Tragen von Boxhandschuhen.

Muay Thai – Ein Sport mit viel Tradition …

Thailand ist generell ein Land mit viel Tradition und Kultur, welche stets geehrt wird. So gehört auch zum Nationalsport ein traditionelles Ritual, welches in fast keiner anderen Kampfsportart zu sehen ist. Wenn ein Kämpfer den Ring betritt, setzt ihm sein Trainer einen Monkong/Monkol auf den Kopf. Dies ist ein Stirnband, welches Glück bringen soll. Es wird sehr respektvoll behandelt, dies äußerst sich dadurch, dass der Monkol nie auf den Boden gelegt wird, bzw. immer über den Ringboden aufgehoben wird. Über den Biceps werden Armbänder geschnürt, diese nennt man: Pa-Pra-Jiat. Laut der Geschichte haben früher die Mütter aus Kleidung diese Armbänder hergestellt, für ihre Söhne, die in den Krieg gezogen sind. Sie wurden als Talisman und Glücksbringer betrachtet.

Vor Kampfbeginn führen die beiden Kämpfer im Ring einen Tanz auf. Den „Ram Muay“ bzw. „Wai Kru“. Dazu wird eine traditionelle Musik gespielt, oftmals auch Live. Das Wort „Ram“ bedeutet Tanz, Wai ist das thailändische Wort für Grüßen und Kru bedeutet Trainer. Mit dem Wai Kru wird der Trainer geehrt. Man erweist ihm Respekt. Nicht jeder Tanz sieht gleich aus. Meistens wird der Stil vom Trainer an seinen Schüler weitergegeben. Als Dank und Respekt führt der Schüler diesen vor dem Kampf auf. Gleichzeitig wird auch die Familie und Buddha geehrt.

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2015: Chiang Mai Boxing Stadium. Aufführung Wai Kru vor Kampfbeginn

Die Tradition, die Techniken, der Sinn von Muay Thai, all das unterscheidet es vom Kickboxen. Die Art und Weise, wie in Thailand gekämpft wird macht das Thaiboxen zu etwas Besonderem. Aggressives Losgehen auf den Gegner wird eher als negativ eingestuft: Kann sich der Gegner schützen, behält seine Balance und kann kontern, dann sieht die Jury ihm im Vorteil und überlegen. Je ruhiger ein Kämpfer nach außen wirkt, desto professioneller schätzen ihn die Punktrichter ein.

„Sabai Sabai“, hört man die Thai-Trainer immer wieder rufen. Übersetzt heißt es „Relax, Relax (ruhig bleiben)“. Je stiller es im Kopf ist, desto besser wird die Herausforderung gemeistert. Nun, denn:

„KEEP CALM and Muay Thai“ 

Hier könnt ihr die dazugehörige Literatur nachschlagen: