Die Insel ruft …

ACHTUNG UPDATE 2023: Da wo Sitsongpeenong war, ist mittlerweile Revolution Muay Thai. Dafür gibt es jetzt Bangtao MMA und Muay Thai und sehr zu empfehlen ist auch Sutai Muay Thai.

Phuket ist die größte Insel Thailands und wohl die bekannteste von allen. Neben professionellem Training, gibt es schöne Strände, die das Gefühl vermitteln, im Paradies zu sein. Kein Wunder, dass sich hier Thaibox-Gyms, wie Sand am Meer ansammeln. Darunter befinden sich einige , die schon große Thaibox- und MMA-Stars hervorgebracht haben. UFC-Fighter, wie Marc Hunt und Cris Cyborg absolvieren oft ihr Trainingscamp auf der Insel.

Chalong – The Big Gyms are here: Ein Überblick

Die „Soi Taied“ (so der Straßenname), in Chalong, ist das Herzstück, der Kampfsport- und Fitnessszene. Auf der 1,5 km langen Straße befinden sich unzählige Thaibox-Gyms und Fitnessclubs, von Crossfit bis zum klassischen Bodybuilding, ist hier alles vertreten. Tiger-Muay-Thai an einem Ende und Phuket-Top-Team am anderen Ende der Straße: Diese beiden Gyms bieten außer dem traditionellen Thaiboxen, auch MMA-, Brazilian Jiu-Jitsu, Western-Boxing, Wrestling und Yoga an. Zwischen diesen beiden Trainingshäusern gibt es noch weitere kleinere Gyms, wie Dragon Muay-Thai, oder Chockchai Muay Thai.

Chalong hat einen Hafen, aber keinen richtigen Strandzugang. Der nächste schöne Strand, Nai Harn, liegt ca. eine 20-minütige Fahrt mit dem Scooter entfernt. Auf der anderen Seite der Insel befindet sich das Touristenzentrum schlechthin: Patong. Hier wird Party gemacht. Überfüllte Strände, Ladyboy-Kabarett-Shows, Alkohol, Alkohol und noch mehr Alkohol findet man hier. Nicht ganz so meine Szene, aber leben und leben lassen, heißt es ja so schön.

Bang Tao – Die Westküste
Bang Tao Beach

Für meine Auszeit von Chiang Mai habe ich mich für Bang Tao entschieden. Dieser Teil der Insel liegt westlich und ca. 20 km oberhalb von Patong. Ende Oktober/Anfang November ist für mich die beste Zeit, um nach Phuket zu fliegen. Es herrscht noch „low season“ (Nebensaison), die Touristenmassen sind noch nicht angereist und früh morgens gehört der Strand einem alleine, ideal um ungestört Laufen zu gehen. Bang-Tao-Beach ist ein wunderschöner, etwa 6-Kilometer langer Sandstrand.Mittlerweile haben sich viele Luxus-Ressorts dort angesiedelt und trüben meiner Meinung nach das Bild vom einstigen laidbacken Strandparadies. Noch ist es möglich sich in einem Bungalow einzumieten und traditionelle Thai-Kost direkt am Strand zu genießen.

At Sitsongpeenong
Sitsongpeenong
Time for Muay Thai…

Was wäre mein Urlaub, ohne mich nicht schon früh morgens auszpowern. Sitsongpeenong (schreibt man so, spricht man so), ein berühmter Name in Bangkok, eröffnete auch auf Phuket vor wenigen Jahren seine Pforten. Hier trainierte ich in der Zeit meines Aufenthaltes. Das Gruppentraining beginnt morgens um 07:00 Uhr, wer früher schon Joggen gehen will, kann dies natürlich tun. Das schöne am Training in Thailand ist, dass man einfach in einen Gym reinspaziert, sich meldet, dass man mitmacht und los kann es gehen. Auch hier liegt der Fokus in der Früh auf Technik. Am Nachmittag, ab 16:00 Uhr, fängt das Warm-Up an, Schattenboxen, Pratzentraining mit einem Trainer, Sandsacktraining und Sparring/Clinching stehen auf dem Programm. Es sind alle Level vertreten, vom gänzlichen Anfänger, bis zum Profi-Kämper. Ein jeder konnte mitmachen.

The Team 10/2018

Der Samstag – ein Highlight und must do für alle Thaibox- und Strandliebhaber: Beach-Workout am Nachmittag, einfach klasse! Zwei Kilometer vom Gym entfernt, liegt der kleinere Strandabschnitt Surin-Beach. Dorthin wird gelaufen. Weiter geht es mit einem Stair-Sprint: 10 x Treppen hoch sprinten inklusive Liegestütz zur Erholung vom Sprint. Gefolgt von Sprinten am Sand, was sonst und zum Schluss noch ein Workout mit einigen Muay-Thai-Techniken. Danach kommt der wohlverdiente Sprung ins warme Andamanen-Wasser.

Saturday: Beach Workout Done

Für Profi-Kämpfer, oder jene, die es werden wollen, bietet Sitsongpeenong Full-Time-Trainingcamps an. Viele der ONE-FC-Fighters (größte Kampfsport-Veranstaltung Asiens) kommen hier her, um sich optimal vorzubereiten. Das heißt, man bekommt die Gelegenheit mit richtig guten Leuten zu trainieren, wird gefordert und kann einiges lernen. Darüberhinaus werden Unterkunftsmöglichkeiten angeboten. Trainingseinheiten und Unterkunft können zusammen gebucht werden. Training-Sessions können auch einzeln bezahlt werden. (Für 1 Einheit pro Tag sind es 500 Baht, für 2 Einheiten pro Tag 600 Baht).

In diesem Sinne: CHOK DEE KHA (viel Glück!)

Muay Thai – Was ist das?

Erklärung – Geschichte & Entwicklung der Kampfsportart

Ich werde oft gefragt: „Na, wie läuft es mit dem Kickboxen so?“, oder „Trainierst du noch Kickboxen“? – Meistens versuche ich dann zu erklären, dass ich Thaiboxen und nicht Kickboxen trainiere. Es sind zwei verschiedene Kampfsportarten, die sich etwas ähnlich sind. Allerdings unterscheiden sie sich durch das jeweilige Regelwerk und den angewandten Techniken. Es ist ungefähr so, als würde man den Fußballclub FC Bayern München unter American Football einordnen. Als Laie ist es oft schwer nachzuvollziehen, was denn Thaiboxen so anders macht und warum es nicht Kickboxen ist. Dieser Beitrag soll etwas Licht ins Dunkle bringen und das Thaiboxen (thail.: Muay Thai) näher erklären.

Muay Thai – Einfach übersetzt …

„Muay“ ist das thailändische Wort für „Boxen“ und Thai steht für einfach für Thailand – (wobei das Wort „thai“ im Deutschen „frei“ bedeutet). Übersetzt heißt es nichts anderes als Thaiboxen, welche eine eigene Kampfsportdisziplin darstellt und der Nationalsport Thailands schlechthin ist. Muay Thai wird oft auch als „The Art of the 8 Limbs“ (übersetzt: Die Kunst der acht Gliedmaßen) bezeichnet. Die acht Gliedmaßen beziehen sich auf die Körperteile, welche im Kampf zum Einsatz kommen und entweder als „Waffe“, oder als Verteidigungsmittel gegnerischer Angriffe dienen. Zum Einsatz kommen, die beiden Fäuste (wie im Boxen), die beiden Ellbogen, die beiden Knie und die Schienbeine.

Ein bisschen Geschichte …

Die heutige Kampfsportart wurde als waffenlose Kriegskunst entwickelt. Und sollte dazu dienen, auch noch kämpfen zu können, wenn man von feindlichen Angreifern entwaffnet wird. Die genaue Entstehung ist jedoch schwer nachzuvollziehen, da viele Aufzeichnungen und Dokumente in den Kriegen verloren gegangen sind. Besonders in der Kriegszeit mit den Burmesen, die damalige Hauptstadt von Siam (heutiges Thailand) war Ayutthaya. Viele Gebäude und Bibliotheken brannten in der Kriegszeit ab, dort wurden die Dokumente aufbewahrt. Dennoch lassen sich Aufzeichnungen bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Demnach haben thailändische Soldaten die Kriegskunst entwickelt, als Erweiterung des „Muay Boran“ (Kampfkunst mit Waffen) und Krabi Krabong (Kampfkunst mit Schwertern und Säbeln) (Brandt: 2005, o.S.).

Thailand war und ist bis heute ein Königreich. Die königlichen Hoheiten sind tief mit dem Nationalsport verbunden, daher wird Muay Thai auch als „Sport der Könige“ bezeichnet. Die Geschichte des Sports wird in der Regel in die Ära des jeweiligen Königs eingeteilt. Hier ein paar Eckpunkte dazu:

  • 1584 King Naresun: Dieser ließ unter anderem nationale Unstimmigkeiten durch das Austragen von Thaiboxkämpfen entscheiden
  • Ab 1656 King Narai: Er führte die Tradition des Mongkong und Pa-Pra-Jiat (Armbänder, die um den Biceps getragen werden) ein.
  • 1703: Prachao Sua – „The Tiger King“: Er mischte sich incognito unters Volk, um kämpfen zu können
  • 1925 King Rama VI: Es wurde der Ring mit Seilen und eine Uhr als Zeitmessung eingeführt.

Eine Uhr als Zeitmessgerät? Wie wurden denn die Runden davor gestoppt? – auf kreative Art und Weise: Eine Kokosnussschale wurde ins Wasser gegeben, wenn diese gesunken war, war die Zeit um.

Heute sieht man die Kämpfer in Boxhandschuhen den Ring besteigen. Jedoch war das nicht immer so. Bis ca. 1930 trugen die Kämpfer Hanfbandagen um die Faust, welche teilweise auch in Kleber getunkt wurden, damit die Glassplitter halten, um mehr Schaden anrichten zu können. Tiefschützer gab es auch damals schon, diese bestanden aus einer Kokosnussschale und einer zusätzlichen Polsterung. 1930 feierte der Sport eine wichtige Entwicklung: Die zum Teil heute gültigen Regeln und Bestimmungen wurden eingeführt, sowie das Tragen von Boxhandschuhen.

Muay Thai – Ein Sport mit viel Tradition …

Thailand ist generell ein Land mit viel Tradition und Kultur, welche stets geehrt wird. So gehört auch zum Nationalsport ein traditionelles Ritual, welches in fast keiner anderen Kampfsportart zu sehen ist. Wenn ein Kämpfer den Ring betritt, setzt ihm sein Trainer einen Monkong/Monkol auf den Kopf. Dies ist ein Stirnband, welches Glück bringen soll. Es wird sehr respektvoll behandelt, dies äußerst sich dadurch, dass der Monkol nie auf den Boden gelegt wird, bzw. immer über den Ringboden aufgehoben wird. Über den Biceps werden Armbänder geschnürt, diese nennt man: Pa-Pra-Jiat. Laut der Geschichte haben früher die Mütter aus Kleidung diese Armbänder hergestellt, für ihre Söhne, die in den Krieg gezogen sind. Sie wurden als Talisman und Glücksbringer betrachtet.

Vor Kampfbeginn führen die beiden Kämpfer im Ring einen Tanz auf. Den „Ram Muay“ bzw. „Wai Kru“. Dazu wird eine traditionelle Musik gespielt, oftmals auch Live. Das Wort „Ram“ bedeutet Tanz, Wai ist das thailändische Wort für Grüßen und Kru bedeutet Trainer. Mit dem Wai Kru wird der Trainer geehrt. Man erweist ihm Respekt. Nicht jeder Tanz sieht gleich aus. Meistens wird der Stil vom Trainer an seinen Schüler weitergegeben. Als Dank und Respekt führt der Schüler diesen vor dem Kampf auf. Gleichzeitig wird auch die Familie und Buddha geehrt.

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2015: Chiang Mai Boxing Stadium. Aufführung Wai Kru vor Kampfbeginn

Die Tradition, die Techniken, der Sinn von Muay Thai, all das unterscheidet es vom Kickboxen. Die Art und Weise, wie in Thailand gekämpft wird macht das Thaiboxen zu etwas Besonderem. Aggressives Losgehen auf den Gegner wird eher als negativ eingestuft: Kann sich der Gegner schützen, behält seine Balance und kann kontern, dann sieht die Jury ihm im Vorteil und überlegen. Je ruhiger ein Kämpfer nach außen wirkt, desto professioneller schätzen ihn die Punktrichter ein.

„Sabai Sabai“, hört man die Thai-Trainer immer wieder rufen. Übersetzt heißt es „Relax, Relax (ruhig bleiben)“. Je stiller es im Kopf ist, desto besser wird die Herausforderung gemeistert. Nun, denn:

„KEEP CALM and Muay Thai“ 

Hier könnt ihr die dazugehörige Literatur nachschlagen: